16
Aug
2015
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Zum Betteln nach Phnom Penh

Er ist vierzehn Jahre alt und besucht die sechste Klasse. Lesen kann er ein bisschen, erzählt er mir. Zwei jüngere Geschwister hat er noch, einen sieben jährigen Bruder, eine fünfjährige Schwester. Seine Eltern sind Reisbauern, wie so viele hier. Ein paar Hühner haben sie auch. Die Oma wohnt bei ihnen mit. Wer sonst noch, weiß ich nicht. Gerade eben ist er aus der Provinz Prey Veng nach Phnom Penh gekommen. 15000 Riel hat ihn die vierstündige Fahrt gekostet. Seine Oma ist mit ihm gekommen. Morgen fahren sie wieder nach Hause, aber heute Abend versuchen sie so viel Geld wie möglich zu „verdienen“ – sie betteln.

Ich weise ihn an, sich neben mich auf den kleinen Plastikstuhl zu setzen. Ich blicke in seine Augen und mir schmerzt mein Herz. Es ist eine Geschichte von vielen und doch berührt mich gerade sein Schicksal, welche Zukunft wird dieser Junge haben. Ich weiß es nicht. Ich kaufe ihm einen Teller gebratene Nudeln, denn gegessen hat er heute noch nichts. Aber aus meiner Befürchtung, dass er sie gegen Geld weiterverkauft, isst er sie nun neben mir. Auf meine Frage, ob er Jesus kennt, verneint er. Ich erzähle ihm von Gott, seinem Schöpfer, und dass er ihn liebt. Zum Schluss bete ich kurz für ihn und segne ihn. Dann trennen uns auch schon wieder unsere Wege – er wird den ganzen Abend über Betteln und die Nacht irgendwo im Freien verbringen, während ich später leckere Chicken Wings esse und in einem tollen Hotelzimmer übernachte. In solchen Momenten wünsche ich mir den Himmel herbei, wo endlich Gerechtigkeit herrscht – und in der Zwischenzeit wünsche ich mir, dass es mehr Himmel hier auf Erden geben möge.

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