27
Nov
2019
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Verzweifelt

In dem Nähprojekt arbeiten wir mit Frauen aus ärmlichen Verhältnissen zusammen. Nicht immer ist es da einfach „richtig“ zu helfen. Denn Armut ist so ein komplexes Thema. Mit einhergeht, dass der Zugang zu medizinischen Möglichkeiten nur sehr beschränkt möglich ist, wenn gar einen schon in eine Verschuldung bringt. So kann man schnell an zwei Tagen im Krankenhaus $100 lassen, für medizinische Untersuchungen, wie Röntgen, die eigentlich gar nicht das eigentliche Problem angehen.

Sokea, eine Frau unserem Nähprojekt, ist krank und das nicht erst seit gestern. Schon länger eigentlich. Fast ein Jahr. Auch wenn sie es erst jetzt wirklich zur Sprache bringt. Wir haben für sie gebetet, sie war bei einem teuren Arzt, der nicht wirklich Ahnung hatte – alles half nichts. Ihre einzige Chance sah sie nun darin, sich dem lokalen Zauberer „Kru Khmer“ anzuvertrauen. Der verordnete ihr rituelle Waschungen, eine Naturmedizin und einen einwöchigen Aufenthalt im buddhistischen Kloster.

Kim und ich haben Sokea genau dort besucht. Im Wat. Sie sieht verzweifelt aus – glaubt daran, dass dies doch nun helfen muss. Eigentlich will sie weg von hier, von diesem dunklen Ort, doch die Macht und auch Angst vor dem Zauberer sind stärker. Sie kann nicht weg. Sie ist gebunden. Ich frage sie, was sie von dem Evangelium bisher verstanden habe, aber so wirklich viel ist das nicht. Ihr geht es jetzt besser, weil sie nun Arbeit habe, sagt sie uns. Wir reden lange und es ist gut und dennoch bleibt in mir die Erkenntnis einmal mehr, dass nur Gott allein diese Frauen aus ihrer Verzweiflung heraus retten kann. ER ist es, der sie von innen heraus transformieren muss auf dass sie wirklich frei werden. Aber bis dahin, ist es vielleicht noch ein langer Weg der gegangen werden muss.

Als sie wieder zur Arbeit erscheint, wenn auch nicht wirklich geheilt, gehe ich mit ihr in eine Frauenklinik. Wir verbringen den ganzen Morgen dort, aber da wird ihr nun endlich geholfen und auch ein wenig die Angst genommen, dass sie an Krebs sterben müsste, wie ihre Ende Vierzig jährige Mutter letztes Jahr.

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