{"id":4020,"date":"2016-04-16T17:38:43","date_gmt":"2016-04-16T15:38:43","guid":{"rendered":"http:\/\/pete-anne.de\/wptest\/?page_id=4020"},"modified":"2016-04-16T17:38:43","modified_gmt":"2016-04-16T15:38:43","slug":"unter-der-herrschaft-der-roten-khmer-1975-1979","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/pete-anne.de\/cms\/geschichte\/unter-der-herrschaft-der-roten-khmer-1975-1979\/","title":{"rendered":"Unter der Herrschaft der Roten Khmer (1975 \u2013 1979)"},"content":{"rendered":"<p>Am 17. April 1975 nahm die Rote Khmer die Hauptstadt ein. Das Durchschnittsalter der Soldaten lag bei 13 Jahren. Die Rote Khmer wurde zun\u00e4chst mit Begeisterung empfangen, glaubten doch die meisten, dass nun Sihanouk als offizieller Repr\u00e4sentant der Roten Khmer f\u00fcr eine Vers\u00f6hnung der Stadt- und Landbev\u00f6lkerung sorgen w\u00fcrde. Doch diese Erwartungen wurden innerhalb wenigen Stunden brutal zunichte gemacht. Die Rote Khmer bef\u00fcrchtete einen Aufstand der Stadtbev\u00f6lkerung und ordnete deshalb an, dass alle Bewohner von Phnom Penh innerhalb 48 Stunden die Hauptstadt verlassen mussten. Selbst die Krankenh\u00e4user wurden evakuiert. Ungehorsam wurde mit dem Tod bestraft. Menschen, die sich in ihren H\u00e4usern versteckten wurden erschossen. Innerhalb einer Woche wurde Phnom Penh zur Geisterstadt.<\/p>\n<p>Die neue Regierung nannte das Land zynisch \u201eDemokratisches Kambodscha\u201c. Ihre <strong>Ideologie<\/strong> war die bed\u00fcrfnislose Gleichheit der Menschen. Sie wollten Kambodscha in einen reinen Bauernstaat verwandeln. Die \u201eBourgeoisie\u201c wurde abgeschafft, ebenso das Geld. B\u00fccher wurden verbrannt und aus Bibliotheken wurden Schweinest\u00e4lle. Jeder wurde zum Arbeiter und musste eine schwarze Einheitskleidung und den gleichen Haarschnitt tragen. Bis auf die Todesstrafe wurden alle Strafen abgeschafft. Das Privateigentum und Gef\u00fchls\u00e4u\u00dferungen wurden verboten. Jegliche Aus\u00fcbung von Religion (Buddhismus, Islam) wurde verboten. M\u00f6nche wurden verfolgt. Die Khmer arbeiteten bis zu zw\u00f6lf Stunden t\u00e4glich auf dem Land \u2013 meistens ohne ausreichende Arbeitsger\u00e4te. Jeder konnte als potenzieller Volksverr\u00e4ter umgebracht werden. Wer zu sp\u00e4t zur Arbeit kam, wer eine Brille trug, wer Fremdsprachen sprach \u2013 verd\u00e4chtig war jeder. Doch die Rote Khmer hatte es besonders auf den gebildeten Teil der Bev\u00f6lkerung und Regimegegner abgesehen. Jeder der aus der Stadt kam, Lehrer oder Arzt oder auch nur Familienzugeh\u00f6riger war, war gef\u00e4hrdet. Kinder wurden zu Spitzeln herangezogen, um sp\u00e4ter auch gegen ihre eigene Familie auszusagen. Kambodscha verwandelte sich innerhalb kurzer Zeit in ein gigantisches Arbeits- und Gefangenlager. Das ber\u00fcchtigte \u201eSicherheitsgef\u00e4ngnis 21\u201c, geleitet von Kang Kek Leu (\u201eDuch\u201c), \u00fcberleben nur 7 von ca. 22.000 Gefangenen. Nur 5.000 Lehrer und 50 \u00c4rzte \u00fcberlebten den Terror der Roten Khmer. Da Gewehrkugeln kostbar waren, wurden viele mit Hacken und \u00c4xten umgebracht und in Massengr\u00e4ber geworfen, die sie sich zuvor selbst geschaufelt hatten. Die ganze Bev\u00f6lkerung litt unter grausamen Hunger, doch alles Essbare galt als Eigentum des Volkes und so wurde jeder \u201eDiebstahl\u201c sofort mit der H\u00f6chststrafe geahndet. Wer nicht von der Roten Khmer verfolgt wurde und deshalb ums Leben kam, den brachte der Hunger, die Zwangsarbeit und fehlende medizinische Versorgung ums Leben.<\/p>\n<p>Insgesamt starben w\u00e4hrend der fast vierj\u00e4hrigen Herrschaft der Roten Khmer ein Viertel der Bev\u00f6lkerung, d.h. ungef\u00e4hr 2 Millionen Menschen.<\/p>\n<p>Gelenkt wurde alles von einer nebul\u00f6sen F\u00fchrung, die sich \u201eAngkar\u201c nannte. Sie bestand aus dem Kadern der Roten Khmer. Aber keiner wusste, wer sich hinter \u201eAngkar\u201c verbarg. Der Bev\u00f6lkerung wurde klar gemacht, dass \u201eAngkar\u201c alles lenke, alles wisse und unfehlbar sei. Das f\u00fchrte dazu, dass jeder Lagerleiter sich auf die Anweisungen \u201eAngkars\u201c berief und so sich selbst bei grausamen Taten aus jeder pers\u00f6nlichen Verantwortung zog.<\/p>\n<p>F\u00fcr die au\u00dfenpolitischen Ziele der Roten Khmer ben\u00f6tigten sie gen\u00fcgend Waffen. Deshalb hatten sie eine Vertrag mit China geschlossen, der ihnen die Lieferung von Waffen gegen Reis vorsah. Das hie\u00df eine Verdreifachung der sowieso schon knappen Reisproduktion. Der hohe Druck der lokalen Funktion\u00e4re und die verst\u00e4rkte Hungersnot f\u00fchrte zu Revolten, die jedoch brutal niedergeschlagen wurden. Da das geplante Ziel nicht erreicht werden konnte, sah die F\u00fchrung der Roten Khmer dies als Sabotage der lokalen Funktion\u00e4re und f\u00fchrte daher verh\u00e4uft auch S\u00e4uberungsaktionen unter den eigenen Reihen durch.<\/p>\n<p>1978 begann die Rote Khmer verh\u00e4uft gegen Thailand und Vietnam zu k\u00e4mpfen, konzentrierte dann aber ihre K\u00e4mpfe ausschlie\u00dflich auf Vietnam. Pol Pot wollte die Anspr\u00fcche auf das einst von Khmer bewohnte Mekongdelta geltend machen. Nach heftigen Angriffen auf vietnamesische D\u00f6rfer marschierte die vietnamesische Armee Ende Dezember 1978 ohne gro\u00dfen Widerstand in Kambodscha ein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 17. April 1975 nahm die Rote Khmer die Hauptstadt ein. Das Durchschnittsalter der Soldaten lag bei 13 Jahren. Die Rote Khmer wurde zun\u00e4chst mit Begeisterung empfangen, glaubten doch die meisten, dass nun Sihanouk als offizieller Repr\u00e4sentant der Roten Khmer f\u00fcr eine Vers\u00f6hnung der Stadt- und Landbev\u00f6lkerung sorgen w\u00fcrde. 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