{"id":3809,"date":"2015-08-25T14:08:08","date_gmt":"2015-08-25T12:08:08","guid":{"rendered":"http:\/\/pete-anne.de\/wptest\/?p=3809"},"modified":"2015-11-01T14:10:04","modified_gmt":"2015-11-01T13:10:04","slug":"regenzeit-in-kambodschanisch-bullerbue","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pete-anne.de\/cms\/2015\/08\/25\/regenzeit-in-kambodschanisch-bullerbue\/","title":{"rendered":"Regenzeit in kambodschanisch Bullerb\u00fc"},"content":{"rendered":"<p>Nur einen Steinwurf von der Distrikt-Hauptstadt Sre Ambel entfernt liegt ein kleines Dorf zwischen Reisfeldern und Buddha-Tempel. Es ist gerade einmal so gro\u00df, dass man den Hahnenschrei von einem zum anderen Winkel noch gut h\u00f6ren kann. Und zwar sogut, dass manch ein Nachbar schon mal mit dem Gedanken spielt, (nat\u00fcrlich rein aus Versehen) einen Flip-Flop gegen den Kopf des Federviehs zu schmettern. Vielleicht verirrte sich ja dann das aufgeschreckte Tier auf die kleine Dorfstra\u00dfe, und vielleicht k\u00e4me ja just in diesem Augenblick ein Moped vorbei, dessen Fahrer genauso wenige Ambitionen f\u00fcr terrorisierende Kreischer hegte. Gem\u00e4\u00df dem Motto \u201eMatsche zu Matsche\u201d w\u00e4ren die Spuren dieses Unfalls relativ fix mit der morastigen Konsistenz der Stra\u00dfe vereint. Ja, es ist halt Regenzeit. Und das bedeutet eben, dass man sein Moped ein wenig schlampiger durch die Grabenlandschaft lenken muss, was f\u00fcr die meisten aber insgeheim doch ein heidenspa\u00df mit sich bringt. Auch f\u00fcr die vielen Kinder im Dorf, die sich jeden Tag in fein gewaschener Schuluniform und Sandalen den Weg durch die Suppe suchen. Da kann der Schulweg auch mal l\u00e4nger dauern, wenn man den einen oder anderen Frosch in der Pf\u00fctze findet. F\u00fcr die Jungs bietet sich jetzt die beste Gelegenheit, das glitschige Etwas schnurstracks in die kreischende M\u00e4dchenmenge zu werfen. Und umgekehrt f\u00fcr die M\u00e4dchen: nun endlich mal kr\u00e4ftig draufzuknutschen \u2013 gem\u00e4\u00df dem Fall, dass sie in der mitteleurop\u00e4ischen M\u00e4rchenwelt bewandert sind.<\/p>\n<p>Wir befinden uns also immer noch auf der Stra\u00dfe des besagten Dorfes, irgendwo in Kambodscha, zwischen Buddha-Tempel und Reisfeldern. Etwa in der Mitte befindet sich das Eck: eine H\u00fctte, ein bedachter Eingangsbereich und ein R\u00f6hrenfernseher, den man in Europa h\u00f6chstens noch im Museum findet. Hier im Eck sagt die liebe Tante dem Dorfpolizisten mindestens einmal am Tag leidenschaftlich \u201eGuten Tag\u201d.<br \/>\nUnd selbstverst\u00e4ndlich auch dem Nachbarn mit dem nervigen Gockel. Und demjenigen, der den Gockel am liebsten entgockeln w\u00fcrde. Und demjenigen, der den Gockel dann \u2026 nun ja. Wie gesagt, es ist Regenzeit in Kambodscha. Da kuscheln sich die Dorfbewohner bei st\u00e4rkeren Schauern auch schon mal gerne zusammen. Wenn dann schon mal ein Boxkampf in der Glotze l\u00e4uft, muss zur Feier des Tages auch mal wieder der gute Reisschnaps auf den Tisch. Die liebe Tante schenkt gerne ein, w\u00e4hrend die M\u00e4nner energisch den Kampf verfolgen. Dass es dann auch mal l\u00e4nger werden kann, ist dabei zweitrangig, denn der Reis w\u00e4chst ja immerhin von ganz alleine, die Frau sitzt gl\u00fccklich daheim und w\u00e4scht ebenso freudestrahlend die schlammigen Klamotten der Kinder. Diese Regenzeit ist f\u00fcr alle ziemlich spa\u00dfig.<\/p>\n<p>Vom Eck aus schr\u00e4g gegen\u00fcber steht ein leerstehendes Haus, das von au\u00dfen einenziemlich gruseligen Eindruck macht. Wer einen ruhigen, ungesehenen Ort sucht, ist hier an der richtigen Adresse. Alle wissen, dass dieses Geb\u00e4ude einmal eine Kirche werden sollte, die jedoch nach kurzer wieder schlie\u00dfen musste. Keiner glaubt daran, dass dieses Schlangennest mal ein Zuhause f\u00fcr sie alle sein sollte. Ein Ort, in dem jeder willkommen gewesen w\u00e4re. Ein Dach, dass ihnen Schutz geboten h\u00e4tte vor Platzregen und praller Sonne. Eine M\u00f6glichkeit, sich die verschmutzen F\u00fc\u00dfe zu waschen, das Moped abzustellen und sich eine kleine Pause zu g\u00f6nnen. Eine Antwort auf die Frage, wer ihnen Jahr f\u00fcr Jahr diese Regenzeit schenkt. Stattdessen gehen sie alle mit einem gro\u00dfen Fragezeichen hier vorbei: die liebe Tante mit ihrem Reisschnaps, der Dorfpolizist, der Nachbar mit dem nervenden Gockel, der Reisbauer und die vielen Kinder, die Tag f\u00fcr Tag hier unterwegs sind zwischen Reisfeldern und Buddha-Tempel, nur einen Steinwurf von Sre Ambel entfernt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nur einen Steinwurf von der Distrikt-Hauptstadt Sre Ambel entfernt liegt ein kleines Dorf zwischen Reisfeldern und Buddha-Tempel. Es ist gerade einmal so gro\u00df, dass man den Hahnenschrei von einem zum anderen Winkel noch gut h\u00f6ren kann. 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